5 Dinge, die man beim Ansehen alter Fotos lernen kann

Vor einiger Zeit wollte ich mir einen Überblick über mein gesammeltes Fotoarchiv verschaffen. Zu diesem Zweck habe ich mir fast alle Fotos, die ich seit meinem ersten Tag mit einer „richtigen“ Kamera gemacht habe, angesehen und habe dabei einige interessante Dinge gelernt, die ich hier teilen möchte.

1.)  Ja, es gibt kreative Phasen

Menschen in Einkaufsstraße © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Seit ich fotografiere habe ich mir meine kreative Reise als mehr oder weniger lineare Verbesserung vorgestellt; das Konzept von kreativen Phasen erschien mir mit meinem Wissenstand und meiner stetig wachsenden Erfahrung immer ein wenig albern. Ich dachte, mit jedem erneuten Besuch an einem Ort und jedem Shooting, das ich so oder so ähnlich bereits gemacht hatte, würden meine Bilder interessanter und besser werden.

Bei vielen Dingen hatte ich damit auch recht. Die Bilder von meinem ersten Berlin-Besuch vor vier Jahren waren noch erkennbar das Werk eines Fotografen, der erst lernen muss, das Beste aus einer Situation und Lichtstimmung zu schaffen, und auch bei der Bearbeitung noch nicht wirklich versiert war.

Bahnsteig in Berlin 2011 © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

2013 war ich wieder in Berlin und die Fotos, die bei dieser Reise entstanden sind, halte ich bis jetzt noch für ein paar der raffiniertesten und erfrischendsten Aufnahmen, die ich je gemacht habe. Zu diesem Zeitpunkt fotografierte ich bereits seit etwa vier Jahren und war mittlerweile gut informiert über die Eigenheiten der Fotografie, ich beherrschte meine Kamera und war in der Lage Dinge auf Anhieb so abzubilden wie sie mir im Sinn schwebten.

Bahnsteig in Berlin 2013 © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Ein Jahr später war ich abermals einige Tage in Berlin. Die Voraussetzungen waren die gleichen, ich war mit den gleichen Leuten unterwegs und auch an ähnlichen Orten wie noch vor einem Jahr. Die Fotos von dieser Reise allerdings erscheinen mir langweilig und im direkten Vergleich weniger originell und raffiniert.

Straße in Berlin 2014 © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Warum war ich ein Jahr vorher in der Lage so viel bessere Fotos zu machen? Ich war hungriger. 2014 begann Fotografie sich für mich wie Arbeit anzufühlen; ich verdiente ein wenig Geld mit kleineren Fotografiejobs und hatte außerdem mein Studium aufgenommen. Ich war nicht mehr enthusiastisch und geistesgegenwärtig genug in meiner Fotografie, dachte nicht mehr mit.

2.) Technik ist definitiv nicht alles.

Interessante Bildkomposition: Dom © Darius Kromoser

©Darius Kromoser

Die fotografische Binsenweisheit, dass auch das technisch perfekteste Foto langweilig sein kann, hat sich durch diesen Streifzug durch mein Archiv mal wieder deutlich bestätigt. Ich habe einige Zeit gebraucht, um wirklich konstant scharfe und gut bearbeitete Fotos zu produzieren, aber beim Betrachten mit einigen Jahren Abstand wirken die technischen Imperfektionen meiner ersten Bilder klein gegen den Eindruck, den eine gute Komposition macht.

Komposition: Verkehr bei Nacht © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Dieses Foto ist sicherlich kein Meisterwerk, aber auch nicht schlechter als dieses hier:

Komposition: Verkehr bei Nacht © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Zwischen diesen beiden Bildern liegen drei Jahre und sichtbarer technischer Fortschritt meinerseits. Das macht das jüngere Bild aber um kein bisschen interessanter.

3.) Mehr Mut zur Farbe!

Als ich den Umstieg auf Lightroom gemacht habe, war ich begeistert von den Farben, die ich da auf einmal in meine Bilder zaubern konnte. Das Ergebnis dieses Farbrausches waren Bilder wie dieses:

Lightroom: Auto in künstlichem Licht © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Natürlich ist die Farbkorrektur in diesem Bild ziemlich grobschlächtig. Man sieht, dass ich, ohne ein Konzept zu haben, Regler hoch- und runtergerissen habe. Im Vergleich zu einem jüngeren Bild zeigt sich gut, wie ich Nachbearbeitung mittlerweile gefühlvoller angehe:

Lightroom: Auto in natürlichem Licht © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Allerdings zeigt uns dieser Vergleich auch, wie experimentierfreudig ich früher war und dass ich mich nicht vor einem künstlichen Look gefürchtet habe. Wenn ich es in Zukunft schaffe, beides zu verbinden, wird mir das mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung geben.

4.) Das Denken wieder lernen

Street Photography: Mann am Gehsteig © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Was mir bei meinem Streifzug durch die eigene fotografische Vergangenheit allerdings am meisten auffiel, war wie frisch meine Ideen und Ansätze früher waren. Bei den meisten meiner Fotostrecken war viel Mist dabei, aber hin und wieder auch Einstellungen und Ideen, die ich jetzt nicht mehr habe. Besonders schmerzlich habe ich das in der Entwicklung meiner Street Photography gesehen. Heute würde es mir kaum in den Sinn kommen, eine Aufnahme wie diese zu schießen:

Interessante Perspektive: Mann auf Parkbank © Darius Kromoser

© Darius Kromoser.

Früher, als der Anteil an bezahlter Arbeit in meinem Portfolio noch geringer war, war ich immer bereit, etwas Neues zu probieren. Ich bin an jeden neuen Ort, jede neue Aufgabe frisch und mit großem Gestaltungswillen herangegangen.

Plakatwand in Amstetten © Darius Kromoser

© Darius Kromoser

Heute scheint es mir manchmal, als würde ich immer nur auf bereits Gelerntes zurückgreifen, als hätte ich fast jedes Foto bereits geschossen. Das ist natürlich nicht wahr, zeigt mir aber, dass ich mich wahrscheinlich mehr aus meiner „Comfort Zone“ herausbewegen sollte, mehr fotografieren sollte, auch einfach nur aus Selbstzweck.

Das also waren die Dinge, die mir beim Ansehen meiner alten Fotos aufgefallen sind. Probieren Sie vielleicht mal dasselbe; Sie werden sich vielleicht wundern, wie sich Ihre Sicht auf Fotografie ändert.

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