Analog Fotografieren – analoger Film: Empfehlungen und Tipps

Um mit der analogen Fotografie loslegen zu können, braucht man natürlich auch Film. Wie bei fast jedem Themenbereich der Fotografie kann es hier für den Einsteiger schwer sein, durch den Dschungel an Kürzeln und unterschiedlichen Typen zu navigieren. Hier also ein kleiner Leitfaden. Man kann fast jeden Film mit sechs Eckdaten beschreiben. Diese sind:

  • Format
  • Positiv- oder Negativfilm
  • Schwarzweiß- oder Farbfilm
  • ISO/ASA
  • Teuer oder billig
  • Bildanzahl

Format des Films

Das Format des Films ist gewissermaßen nichts anderes als seine Größe. In der mehr als hundertjährigen Geschichte der Fotografie gab es eine Unzahl an verschiedenen Aufnahmegrößen; vom riesigen Planfilm, bei dem einzelne „Filmblätter“ in die Kamera geschoben werden bis hin zum winzigen Super16-Film. Für den Amateurfotografen wirklich interessant sind allerdings nur zwei von ihnen: Der 35mm-, Kleinformat- oder 135er-Film sowie der Mittelformat oder 120er-Film. In die meisten Kameras passt nur eine Sorte Film, also erledigt sich die Frage, welcher gekauft werden soll meistens von alleine. Beide kommen ganz klassisch auf einer Rolle, müssen also nicht nach jedem Foto ausgewechselt werden. Der 35mm-Film ist der geläufigste, den wir noch alle aus der Urlaubskamera kennen. Er ist horizontal mit Löchern versehen, um durch die Kamera geführt zu werden und weist eine Aufnahmegröße von mm auf. Seine Vorteile sind die hohe Verfügbarkeit und noch relativ breite Auswahl verschiedener Filmtypen. 35mm-Film finden Sie in den meisten Drogeriemärkten, eine breitere Auswahl bietet Ihr lokaler Fotofachhandel.

Der Mittelformat-Film kommt ohne Perforation daher. Generell ist das Handling des MF-Films für den an 35mm gewöhnten Fotografen etwas merkwürdig: Er sitzt nicht in einem lichtdichten Plastikcontainer, sondern wird üblicherweise in einer Plastikverpackung verkauft. Öffnet man diese, findet man eine Spindel, auf der ein mit Papier umwickelter Film sitzt. Im Gegensatz zum 35mm-Film wird er nach der Belichtung nicht wieder aufgerollt, sondern schon beim Weitertransportieren um eine zweite Spule gewickelt. Was sich jetzt kompliziert anhört wird beim Blick auf das Innenleben dieser Rolleiflex verständlich: Vorteil des Mittelformat-Films ist die höhere Bildqualität, Nachteil die oft nur begrenzte Verfügbarkeit. Mittelformat-Film findet man eigentlich nur im Fachhandel, und selbst da ist die Auswahl an verschiedenen Filmtypen oft beschränkt.

Positiv- oder Negativfilm

Analoger Film: Positiv- oder Negativfilm?

© Darius Kromoser

Die Unterscheidung dieser beiden Filmtypen dürfte auch jedem geläufig sein. Negativfilm ist der „normale“, der auf dem Filmstreifen ein farblich und in der Helligkeit umgekehrtes Bild erzeugt. Der Positivfilm, auch Diafilm genannt hingegen fördert ein farb- und helligkeitsrichtiges Bild zutage. Mit dem Verschwinden des Dias hat der Negativfilm Überhand genommen, allerdings lohnt es sich für jeden Fotografen mal einen Diafilm zu schießen. Er liefert meist brilliante Farben und exzellente Schärfe, ist aber empfindlich teurer als der Negativfilm, sowohl im Kauf als auch in der Entwicklung, da er eines eigenen chemischen Prozesses bedarf. Weiterer Nachteil des Diafilms ist, dass es ihn nur in relativ geringer Empfindlichkeit gibt – dazu später mehr. Aber besonders wenn Sie Ihre Ergebnisse groß ausdrucken oder hochempfindlich scannen wollen ist der Griff zum Diafilm kein verkehrter.

Schwarzweiß- oder Farbfilm

Schwarzweiß Foto - analog fotografieren mit dem richtigen Film

© Darius Kromoser

Auch hier ist die Unterscheidung dem Laien sofort klar: Ein Farbfilm lässt ein farbiges Bild entstehen, ein Schwarzweißfilm ein schwarzweißes, logisch. Allerdings ist die Sache nicht so einfach wie sie scheint. Die meisten Farbfilme werden nach der sogenannten C-41-Methode entwickelt, einem standartisiertem chemischen Verfahren zur Entwicklung von Farbnegativfilmen. Einige Exoten wie die hochprofessionellen Filme der Firma efke erfordern eine andere Entwicklung, diese sind aber für den Amateur kaum relevant. Jeder Farbfilm hat einen anderen Charakter und gibt Farben unterschiedlich wieder; manche sind bekannt für knallige und satte Töne, andere eher für natürliche Farbwiedergabe. Auch dazu später mehr. Schwarzweiß-Filme werden in Großlaboren genau wie Farbfilme maschinell entwickelt. Allerdings gibt es für sie keinen Entwicklungsstandard. Da Schwarzweiß-Filme aber recht robust und in der Entwicklung weniger heikel sind, werden Sie wahrscheinlich nie einen vollkommen zerstörten Film aus dem Labor zurückbekommen. Rechnen Sie allerdings sehr wohl mit Schwankungen in Kontrast oder Helligkeit des Bildmaterials, selbst wenn Sie zwei Mal den gleichen Film verwenden. Achten Sie auch darauf, dass der Umschlag mit Ihrem Schwarzweiß-Film klar als solcher markiert ist, viele Labore arbeiten da eher schlampig. Ein besonderer Schwarzweiß-Film ist der sogenannte chromogene Film. Er liefert zwar ein farbloses Bild, muss aber auch nach der C-41-Methode entwickelt werden. Er ist ausschließlich in der Empfindlichkeit von 400 ISO erhältlich. Die beiden Modelle auf dem Markt sind der Ilford XP2 und der Kodak BW400CN. Beide liefern relativ gute Bilder, die aber unter einem Rotstich leiden können.

ISO/ASA Film

ISO/ASA Film für analoge Fotografie

© Darius Kromoser

Da das Aufnahmemedium bei einer analogen Kamera nicht wie bei einer digitalen Kamera individuell auf die Lichtverhältnisse eingestellt werden kann, muss man sich beim Kauf des Films für eine ISO-Zahl für den gesamten Film entscheiden. Höhersensiblere Filme, also welche mit höherer ISO-Zahl liefern körnigere Bilder, niedrigsensiblere schärfere und feinere Bilder.

Foto Film: Teuer oder billig?

Farbfoto analog - Auslage bei Nacht

© Darius Kromoser

Es gibt viele verschiedene Filmtypen von vielen verschiedenen Herstellern und natürlich auch unterschiedlicher Qualität. Wie fast überall sind die besseren Produkte teurer, ein Kodak Portra 160 wird brilliantere und schönere Bilder liefern als ein Fuji Superia 200, ist aber auch empfindlich teurer. Aber auch für den Amateur lohnt es sich, hin und wieder zu einer der teureren Varianten zu greifen. Sogar nach der Entwicklung im Großlabor zeigen diese Filme ihre Stärke. Bei Schwarzweiß-Filmen hingegen sieht die Sache etwas anders aus: In normalen Fotografie-Geschäften sind fast keine schlechten Exemplare mehr zu bekommen; die beliebten Filme Ilford FP4 und AGFA APX100 ist nicht ohne Grund bei vielen Fotografen im Einsatz. Allerdings gibt es hier im höheren ISO-Bereich einige legendäre Filme zu entdecken, die bei Fotojournalisten einen großartigen Ruf haben, beispielsweise der Kodak T-Max oder Tri-X.

Bildanzahl – 24 oder 36 Fotos

Analoge Fotografie: Damen warten an der Haltestelle

© Darius Kromoser

Im 35mm-Bereich gibt es hier zwei Möglichkeiten: Ein Film hat entweder 36 oder 24 Bilder, wobei die 24er-Exemplare selten geworden sind. Achtung: schießen sie mit einer Panoramakamera wie der Lomo Sprocket Rocket wird sich die Bildanzahl im Normalfall drastisch verringern, weil mehrere Bilder auf einmal belichtet werden. Bei Mittelformat-Filmen entscheidet die Kamera über die Bildanzahl; je breiter das Format -sie reichen von 6×9 bis 6×4,5- desto geringer die Bildanzahl. Weitere gute Adresse um über Film zu lernen sind die Website des Japan Camera Hunter und des profesionellen Fotografen Ming Thein.

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