Dem Himmel so nah: Trekking in Ladakh

Auf der Höhe des Großglockners quert man in Ladakh gerade mal einen Pass am sogenannten Baby-Trek. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass alle Pässe auf dieser Trekkingroute unter 4.000m Seehöhe und daher für die Ladakhi „babyleicht“ zu queren sind. Nachvollziehbar wird das, wenn man weiß, dass das ehemalige Königreich im indischen Norden auf Höhen zwischen knapp unter 3.000m und über 7.000m liegt.

Fotoreise: Trekking in Ladakh

©Phunchok Motup

Eins vorweg: Packen Sie für einen Trekking-Trip im wunderschönen Ladakh neben guten Wanderschuhen, einem Schlafsack und guter Kondition in jedem Fall auch eine Kamera in den Rucksack. Denn was Sie in den entlegenen Bergen im sogenannten „Klein-Tibet“ erleben, werden Sie nur mit Worten kaum nacherzählen können.

Atemlos
Wer in Ladakh trekken will, muss sich zuerst einmal akklimatisieren. Ankommen und gleich loswandern ist hier nicht. Man ist zu Beginn einfach atemlos. Und das nicht nur, wegen der umwerfenden Landschaft, sondern ganz einfach, weil sich der Körper an die ladakhische Höhe erst gewöhnen muss. Dann aber kann es losgehen – gemäßigten Schritts zwar, doch es geht jeden Tag etwas besser. Die Guides sind das Tempo der Touristen gewohnt. Sie gehen unbekümmert und nahezu meditativ entspannt vor, neben oder hinter einem und erzählen leicht und ohne Luftholen zu müssen vom Leben in Ladakh.

Fotoreportage: Wandern Indien

©Tashi Wangail

Warum tut sich ein Mensch diese Strapazen an? Das ist leicht zu erklären: Wer einmal einen steilen Pass erklommen hat und sich von oben unter wild wehenden Gebetsfahnen an den Weiten der tibetischen Hochebene oder den schroffen Gipfel des Himalaja erfreuen durfte, der versteht. Und wenn man nach einem fordernden Tag seinen Blick zum Sternenzelt schickt, fühlt man sich dem Himmel so nah, wie kaum sonst wo. Und so dankbar, dass man all das erleben durfte.

Die Qual der Wahl
Wer gerne wandert, wird in Ladakh sicher eine geeignete Wanderroute finden. Einsam über die Hochebene des tibetischen Plateaus, dem Changthang, wo ein einzelner Schritt in der Weite so verschwindend unwichtig erscheint. Dörfer sucht man hier fast vergeblich, denn es ist die Heimat der Nomaden, die hier ihr hartes Dasein leben. Es sind herzliche Menschen, die sich über einen Tratsch mit Fremden freuen, gerne auf eine Tasse Buttertee einladen und sich über Abwechslung freuen. Wenn man eine Nomadensiedlung hinter sich lässt, begegnet man oft über Tagen nur noch Kiang, den tibetischen Wildeseln und Wölfen. Hier oben auf mindestens 4.500m erscheinen selbst die 6.000m hohen Bergriesen wie zahme Hügelzwerge.

Von Dorf zu Dorf wandern, immer wieder Pässe queren und wieder hinab auf „Niederungen“ von 3.000 bis 3.500m – das wird einem im Markha- und Sham-Valley ermöglicht. Man nächtigt in pittoresken Dörfern im Homestay oder Zelt und darf sich beim lokalen Händler auch mal ein Cola gönnen. Und auch landschaftlich müssen sich die beiden Regionen nicht verstecken: äußerst abwechslungsreich wechseln originelle Felsformationen in allen möglichen Farbtönen – ja, selbst in lila, rot und grün – mit kleinen Oasen, die im Nichts zu entstehen scheinen.

Wandern Ladakh Fotoreportage

©Dorjey Namgyal

Und dann ist da noch das mystische Zanskar mit schroffen Gebirgswelten, die das Tor zum ehemaligen Königreich öffnen, hoch gelegene Dörfer und weite Ebenen dazwischen – eine Augenweide, die während des Winters fast zur Gänze von der Außenwelt abgeschlossen ist. Dass es sich hier besonders gut wandern lässt, ist offensichtlich. Selbst im Winter lassen sich hartgesottene Abenteurer nicht abhalten und wandern auf gefrorenen Flüssen ins eisig kalte Himalaja-Reich.

Schwieriger als die passende Route zu finden, kann allerdings die Wahl eines Trekkingveranstalters sein. In Leh sind mehr als 300 Touroperators registriert und ein großer Teil davon ist auch online zu finden. Meine Empfehlung aber ist die ladakhi-österreichische Agentur Gesar Travel, die von Tashi aus Ladakh und Daniela aus Österreich gegründet wurde. Tashi war gut zwanzig Jahre selbst als Guide in Ladakh unterwegs und es gibt kaum eine Route, die er nicht kennt. Daniela dagegen weiß, was wir WestlerInnen brauchen/wünschen/wollen und gemeinsam organisieren sie unvergessliche Trekkingtouren (auch in weniger bekannte Ecken Ladakhs). Mehr dazu gibt’s hier.

Fotoreportage: Zelt Indien Nacht

©Markus Brixle

Das Gefühl einfangen
Viele fotogene Plätze lassen sich tatsächlich nur zu Fuß erreichen. Beispielsweise das Felsenkloster in Phuktal, zu dem nur keine Straße führt. Oder hochgelegene Almen, auf denen Hirten mit ihren Schaf-, Ziegen- und Yakherden den Sommer über herumziehen. Und dann und wann lassen sich seltene Tiere wie der Schneeleopard oder der Himalaja-Braunbär blicken. Solche Momente heißt es einzufangen. Sie mit nach Hause zu nehmen und sich auch Jahre danach noch daran zu erinnern, wie es war, als man vom höchsten Pass seiner Trekkingtour hinaus auf die Bergriesen des Himalaja blickte und alle Anstrengungen des Aufstiegs mit einem Wink vergessen waren.

Fotoreportage: Trekking Ladakh Indien

©Markus Brixle

 

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